Trimum

TRIMUM - Musik auf Abstand

Weiter denken.

Viel wird darüber debattiert, ob in dieser Krise auch Chancen für ein „Danach“ enthalten sind. Wir halten diese Diskussion für sehr wichtig und wertvoll.
Werden wir in Zukunft besser für kommende Pandemien gerüstet sein, vor der Wissenschaftler schon lange warnen? Werden wir endlich verstanden haben, dass wir die Erderwärmung und den Verlust der Biodiversität stoppen müssen? Werden wir endlich die pflegenden Berufe aufwerten und Gesundheitsversorgung von Profiterwartungen entkoppeln? Und wie wird ein Kultur- und Musikleben “nach Corona” aussehen?

Wir haben unsere Initiative MUSIK AUF ABSTAND vor allem deshalb ins Leben gerufen, weil wir hoffen, dass diese Krise unsere Kultur – und dazu zählt auch unsere Musikkultur – nachhaltig verändern wird.

Ein globaler Weckruf

Die Coronakrise sei „a global wake up call“, sagt unser wissenschaftlicher Berater, der australische Parasitologe und Covid-19-Experte Michael Wallach: Eine vergleichsweise milde Vorwegnahme der vor uns liegenden globalen Krisen, die uns bei allem Leid auch die Chance gibt, innezuhalten, endlich auf die Wissenschaft zu hören und eine andere Richtung einzuschlagen. Wir sind deshalb überzeugt: Die Kultur sollte die Bewältigung der gegenwärtigen Krise nutzen, um besser für die kommenden Krisen gerüstet zu sein. Covid-19 wird sich, vor allem in den reichen Länderrn mit einem funktionierenden Gesundheitssystem, einigermaßen gut bewältigen lassen. Die globale Umwelt- und Klimakrise hingegen (zu deren „Unterkapiteln“ unter anderem auch die wissenschaftlich schon lange prognostizierte Zunahme von Epidemien zählt) droht in wenigen Jahren in ein Maß an Eigendynamik zu kippen, das sich durch nachträgliche Gegenmaßnahmen nicht mehr wird reparieren lassen.

Im Januar und Februar 2020 hatten wir zusammen mit der Klima-Allianz Deutschland, dem Netzwerk Junge Ohren und weiteren Partnern zu mehreren Klimawerkstätten Musik und Klima [>>] eingeladen. Ein Ergebnis dieser Werkstätten: Wir brauchen eine regionalere, resilientere, umwelt- und klimafreundlichere Musikkultur. Was wir damals noch nicht geahnt hatten: Wie schnell die von uns entwickelten Forderungen ungewollte Wirklichkeit und bittere Notwendigkeit werden würden.

Covid-19 hat allem Großen, Spektakulären, Expansiven in der Kultur ein jähes Ende bereitet. Wir sehen darin auch eine potentielle Lernchance. Deshalb haben wir diese Initiative gestartet und Anfang April in unserem ersten “Musik-auf-Abstand”-Essay geschrieben:

Aus “Musik auf Abstand (1) – Spielräume zwischen 1,50 und Hörweite”
“Wir wünschen uns keine Kultur, die nach dem Ende dieser Krise völlig unberührt und unverändert zum Alten zurückkehren wird. Wir wünschen uns erst recht keine Musikwelt, die dann auf Dauer noch digitaler sein wird, als es jetzt schon der Fall ist. So unverzichtbar es gegenwärtig ist: Streaming ist die energieintensivste, klima- und umweltschädlichste Form der Speicherung von Musik, die es in der Geschichte der Menschheit jemals gegeben hat.
Dem Gedanken hingegen, dass von dem, was wir gegenwärtig erleben und erdulden müssen, auch in der Musik eine Wiederentdeckung und gesteigerte Wertschätzung des Nahen, Unspektakulären und Nachbarschaftlichen bleibt, können wir durchaus etwas Positives abgewinnen. Als Musiker*in den eigenen Wirkungsradius, Umweltverbrauch und CO2-Ausstoß zu verkleinern; die kulturelle Vielfalt unserer Nahbereiche zum Leuchten zu bringen anstatt auf maximale Reichweite zu setzen und rastlos durch die Welt zu düsen – dies alles geht auch, ohne dass ein Virus den Ton angibt.”

Der vollständige erste Essay von Bernhard König und Alon Wallach ist seit 14. April veröffentlicht auf nmz.de

Balkonsingen for future

Die Klimakrise geht weiter

Unter dem Motto #NetzstreikFürsKlima riefen Fridays for Future, die Klimaallianz Deutschland und zahlreiche Umwelt- und Naturschutzinitiativen am 24. April zum Klimastreik auf. Aus guten Gründen fanden die Aktionen diesmal nicht auf der Straße, sondern im Netz statt. Aber warum nicht “Balkonsingen” und “Klimastreik” verknüpfen? Wir haben eine Mitmachaktion und mehrere Lieder beigesteuert, die im Rahmen unserer Zukunftswerkstätten Musik und Klima zusammengetragen wurden.

Mitmach-Aktion: Mad world (Klima-Version)

Der Klimaphysiker und Musiker Bendix Vogel bringt euch in seinem Tutorial eine selbst getextete Klimaversion von “mad world” bei und lädt euch zum Mitmachen ein: Nehmt eine eigene Version auf (siehe dazu auch die technischen Hinweise weiter unten) und schickt sie bis Ende Mai an klimachor@posteo.de – dann wird Bendix aus euren Aufnahmen eine virtuelle Chorversion mischen.
Wer ganz ambitioniert ist, kann es auch dreistimmig versuchen. Aber Vorsicht beim gemeinsamen Singen in geschlossenen Räumen: Zu Coronazeiten bitte nur in der eigenen Familie oder WG!

Hier gibt’s den >> Text und die Begleitakkorde
wahlweise auch für >> Gitarre mit Capo.

Wer eine eigene Version erstellen möchte, beginnt am besten ab hier und singt möglichst synchron zur Aufnahme mit. Wichtig: Schaltet dafür eure Anlage ganz leise oder setzt Kopfhörer auf, damit man auf eurer eigenen Aufnahme nur eure Stimme hört. Es muss nicht perfekt und auch nicht komplett fehlerfrei sein. “Einzigartige” Stimmen oder Instrumentalparts sind uns ebenso willkommen wie “professionelle”! Wir werden am Ende alles so auswählen und zusammenmixen, dass es gut klingt und sich die Vielfalt unserer Gesellschaft und der Klimaproteste darin widerspiegelt.

Weitere Klimalieder

Solid as a rock

Dieses Lied könnt ihr mit euern Nachbarn von Balkon zu Balkon nach dem call&response-Prinzip im Wechsel singen. Eine*r singt vor, die anderen singen nach. Friederike Frenzel vom Darmstädter Choir for future bringt euch die Melodie bei.

Der Text:
Solid as a rock
Rooted like a tree
We are here
Standing strong
In our rightful place

Wir sind verschieden, sehr sogar

Ein interkulturelles Trimum-Lied zur Klima- und Umweltkrise. Die Melodie dieses Liedes ist im gesamten Mittelmeerraum sehr bekannt. Während sie im Lauf der Jahrhunderte rund ums Mittelmeer wanderte, entstanden die unterschiedlichsten Textfassungen (u.a. in türkischer, arabischer und hebräischer Sprache). Hier einige traditionelle Original-Versionen:

Im Rahmen unserer Zukunftswerkstätten Musik und Klima entstand ein neuer Text zu diesem Lied. Mazen Mohsen aus dem TRIMUM-Team bringt ihn euch bei:

Der Text:
(1) Wir sind verschieden, sehr sogar, und das ist unsre Stärke.
Das, was uns eint ist viel zu groß um nicht geeint zu sein.
Vor dem, was dringend nötig ist verblassen Unterschiede
Konflikte, die uns riesig schienen werden winzig klein.

(2) Uns eint die Sorge um die Welt, um uns und unsre Kinder,
um Wälder, Meere, Ackerland, den Boden, der uns nährt
Uns eint das Wissen: Es ist Zeit! Die Grenzen sind erreicht!
In denen unser Heimatstern ein Leben uns gewährt.

(3) Uns eint die Angst um das was lebt. So viel ist ausgestorben.
Verbrannt, verdrängt, in Gift ertränkt, von Straßen totplaniert.
Uns eint Erkenntnis und auch Scham, dass unser aller Handeln
der Grund für dieses alles ist Lang hat’s uns kaum geniert.

(4) Uns eint der Mut, etwas zu tun. Die Wut auf „weiter so!“.
Der Wille, diesen falschen Pfad nun endlich zu verlassen
Uns eint der Vorsatz, diese Welt bewohnbar zu er halten
und menschliches Zerstörungswerk nicht länger zuzulassen.

>> Die Noten als download

Come follow me

Ein weiteres Stück aus dem Repertoire des Darmstädter Klimachores Choir for future. Wenn man diesen Kanon in größerer Entfernung “auf Abstand” singt, dann kann es unter Umständen schwer werden, ein gemeinsames Metrum zu halten. Wir empfehlen in diesem Fall Mut zur Ungleichzeitigkeit: Jeder und jede singt im eigenen Tempo – so wird die räumliche Distanz hörbar. Friederike bringt euch die Melodie und die “normale” Kanonversion bei.

Der Text:
Come follow, follow, follow, follow, follow, follow me
Where shall I follow, follow, follow,
Where shall I follow, follow you
To the green woods, save the green goods,
join the green birth, save our earth!