Trimum

TRIMUM - Musik für Juden, Christen und Muslime

TRIMUM in Hamburg: Auf dem Weg zum interreligiösen Stadtteilkantor

Welche Rolle kann Musik in einem Stadtteil spielen, in dem Menschen aus über hundert Nationen auf engstem Raum beieinander leben? Kann sie zu einer stimmigen Balance zwischen Gemeinschaftsgefühl und kultureller Eigenart beitragen? Kann sie wichtigen örtlichen Themen eine Stimme geben? Kann sie einer »Kiez-Identität« Ausdruck verleihen, die sich aus der Vielstimmigkeit unterschiedlichster Herkunftskulturen speist?

Was kann man beispielsweise zum Schulanfang oder beim Stadtteilfest singen, was bei der interreligiösen Hochzeit oder zum Abschied von einem verstorbenen Mitschüler, wenn das gesamte Leben im Spannungsfeld kultureller und religiöser Heterogenität stattfindet? Oder, kurz gefragt: Welche Musik braucht ein Stadtteil wie »Mümmel«?

Dies waren einige der Fragen, mit denen wir 2016 begonnen haben, die möglichen Inhalte, Chancen und Grenzen eines neuen Berufsbildes zu erforschen.

Eindrücke aus dem ersten Projektjahr 2016…:

...und ein NDR-Betrag über interaktive Straßenmusik in Mümmelmannsberg in der ARD-Mediathek

1) Rückblick (Pilotprojekt 2016)

1.1) Musik für einen Stadtteil

Mümmelmannsberg ist eine Hamburger Großsiedlung mit rund 19.000 Einwohnern. Viele der Menschen hier leben von Hartz 4, rund 60% der Einwohner haben einen Migrationshintergrund. In den beiden örtlichen Grundschulen beträgt der Anteil sogar über 90%. Die Siedlung ist vom restlichen Hamburg stark abgekoppelt. Er wird vergleichsweise selten von außen aufgesucht; umgekehrt verlassen viele Bewohnerinnen und Bewohner die Siedlung nur selten, was durch die verdichtete Infrastruktur vor Ort begünstigt wird. Eine Begegnung zwischen den Kulturen und Religionen muss in diesem »bunten« und heterogenen Stadtteil nicht erst initiiert werden - sie findet ohnehin tagtäglich statt.

So hat sich - bei aller kulturellen und religiösen Vielfalt - bei vielen Bewohnern eine ausgeprägte Kiez-Identität entwickelt: Man empfindet sich nicht als Hamburgerin oder Hamburger, sondern versteht »Mümmel« als einen eigenen, in sich geschlossenen Heimatort. Wo andernorts zum Sommerfest die Feuerwehrkapelle aufspielt, wird das kulturelle Rahmenprogramm hier bereits seit vielen Jahren und mit großer Selbstverständlichkeit von Tanz- und Musikgruppen aus aller Welt geliefert.

Trimum vor Ort: Friedensgebet in Hamburg-Mümmelmannsberg

1.2) Vorgeschichte

Stephan Thieme ist seit Anfang 2015 Pastor der Ev.-Luth. Kirche in Steinbek, Bezirk Mümmelmannsberg. Im (gemessen am heutigen, realen Bevölkerungsanteil evangelischer Christen) deutlich überdimensioniert evangelischen Gemeindezentrum hatte zu diesem Zeitpunkt längst eine sehr pragmatische Form von Interreligiosität und Interkulturalität Einzug genommen: Die Räumlichkeiten des Gemeindezentrums dienen unter anderem als Essens-Ausgabestelle der örtlichen TAFEL, als Treffpunkt muslimischer Frauen, die hier einmal wöchentlich gemeinsam im Koran lesen oder als Betreuungsort für (überwiegend muslimische und konfessionslose) Vorschulkinder.

Konzert Mümmelmannsberg

Im Verlauf seiner Antrittsbesuche in den (überwiegend nichtkonfessionellen) Schulen, Kindergärten und Sozialeinrichtungen empfand er den Bezirk in religiöser Hinsicht als unterversorgt - auch und gerade dann, wenn man Religion nicht als Konfessionszugehörigkeit definiert, sondern als gemeinsame Auseinandersetzung mit tiefergehenden, existentiellen, geistigen und geistlichen Fragen des Lebens. Wenig später lernte er im Rahmen des Deutschen Evangelischen Kirchentags 2015 in Stuttgart den Ansatz von Trimum kennen: Die gemeinsame, religionsübergreifende Suche nach neuen Liedern, Kompositionen und Veranstaltungsformaten für die interreligiöse Begegnung.
Die Begegnung mit Trimum weckte bei Pastor Thieme die Frage, ob dieser Ansatz nicht auch auf einen Bezirk wie Mümmelmannsberg übertragbar sei. Aber lässt sich der Ansatz eines theologisch fundierten interreligiösen Singens und Musizierens auch auf die Bedingungen eines Stadtteils mit geringerem Bildungsniveau und einer stark migrantischen Bevölkerung übertragen?

So erfand Stephan Thieme kurzerhand ein gänzlich neues, bislang noch undefiniertes Berufsbild: Den »Interreligiösen Stadtteilkantor«.

1.3) »Stadtteilkantor/in« -Visionen von einem neuen Berufsbild

Normalerweise ist der Begriff »Kantor/in« an eine eindeutige Religionszugehörigkeit geknüpft. Ein christlicher oder jüdischer Kantor ist Experte für die liturgischen und musikalischen Traditionen seiner Religion und ist für deren örtliche Pflege, Fortführung und behutsame Weiterentwicklung zuständig. Ein oder eine »interreligiöse« Kantor(in) scheint deshalb zunächst ein Widerspruch in sich zu sein.

Doch Kantorinnen und Kantoren erfüllen neben ihrer Eigenschaft als religiöse Repräsentanten auch andere wichtige Funktionen. Sie tragen zur Gestaltung zentraler Feiern und Anlässe bei, die eine hohe symbolische Bedeutung haben: Von Initiationsfesten wie der Taufe, Beschneidung, Einschulung oder Erstkommunion über die Hochzeit bis zur Beerdigung. Sie begleiten eine Gemeinde durch das Jahr und geben ihrem Gedenken, ihrem Dank, ihren existentiellen Fragen und ihrer Selbstvergewisserung als zusammenhgehörige Gemeinschaft einen klingenden Ausdruck. Häufig leisten sie auch eine langfristige musikalisch-pädagogische Aufbauarbeit, etwa in Form von regelmäßigen Chorangeboten für unterschiedliche Altersgruppen. Die besondere Nachhaltigkeit dieser Aufbauarbeit liegt darin begründet, dass die Beziehung zwischen dem Kantor und seiner Gemeinde in Idealfall langfristig und generationsübergreifend ausgerichtet ist und deshalb über mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg kontinuierlich aufgebaut werden kann - im Gegensatz etwa zu einem Erzieher, einer schulischen Musiklehrerin oder einem projektbezogen arbeitenden Musikvermittler, deren Arbeit per se in deutlich kürzeren Zyklen verläuft.

1.4) Prämissen und Fragen vor Projektbeginn

Das erste Projektjahr 2016 verstand sich als praktisch-musikalische Feldforschung und als ein erster, sondierender Schritt hin zu diesem neuen Zukunftsberuf: Was könnte das überhaupt sein, ein »interreligiöser Stadtteilkantor« oder eine »interregiöse Stadtteilkantorin«? Wie muss eine Musik beschaffen sein, die diesem vielstimmigen Wir-Gefühl eine geeinsame Stimme gibt? Diese Frage darf nicht einseitig von einer bestimmten Religion oder einem vorgegebenen Kulturverständnis her gedacht werden.

Anders als beim herkömmlichen Kantorenamt gibt es für das neue Berufsbild eines »interkulturellen und interreligiösen Stadtteilkantors« weder den Bezugspunkt eines gemeinsamen Glaubens, gemeinsamer religiöser Feste oder einer gemeinsamen Theologie, noch verfügt die neu enstehende »Gemeinde« auf musikalischer Ebene bereits über ein gewachsenes und verbindendes Lieder- und Formenrepertoire, aus dem sie schöpfen und an das sie anknüpfen könnte.

Die Aufgabe des Stadtteilkantors oder der Stadtteilkantorin besteht darin, musikalische Brücken zwischen den Kulturen, Religionen, Herkünften und Generationen zu bauen, ohne ihre jeweiligen Eigenarten zu nivellieren oder die Menschen in eine bestimmte Richtung »missionieren« zu wollen. Der Zukunftsberuf »Stadtteilkantor« unterscheidet sich deshalb nicht nur grundlegend vom herkömmlichen, konfessionell definierten Kantorenamt, sondern auch von jenen kulturellen Partizipationsangeboten, die in wachsendem Maße von großen Institutionen der musikalischen »Hochkultur« an Stadtteile wie Mümmelmannsberg herangetragen werden. Stattdessen muss der Stadtteilkantor oder die Stadtteilkantorin sich radikal in den Dienst der Menschen vor Ort und ihrer kulturellen Bedürfnisse stellen.

Projekt »Interreligiöser Stadtteilkantor« in Hamburg-Mümmelmannsberg

1.5) Die experimentelle Pilotphase (2016): Themensuche und Stadtteil-Lieder

Die ersten, experimentellen Schritte in der Pilotphase 2016 waren überaus ermutigend. Ob in den örtlichen Grundschule oder im Seniorenheim, bei Stadtfesten oder beim internationalen Friedengebet: Die Bereitschaft zum gemeinsamen religions-, kultur-, und generationsübergreifenden Singen und die Freude an eigens komponierten und getexteten stadtteilbezogenen Songs waren von Anfang an stark ausgeprägt. Die Begegnung zwischen den Kulturen und Religionen musste in diesem »bunten« und heterogenen Stadtteil nicht erst mühsam initiiert werden - sie findet ohnehin tagtäglich statt.

Im Frühjahr 2016 sondierte der Komponist und Trimum-Projektleiter Bernhard König zunächst musikalische Ressourcen, Fragestellungen und Möglichkeiten vor Ort. Dabei zeichneten sich erste konkrete Arbeitsfelder für die folgenden Monaten ab:

Konzert Mümmelmannsberg

1.6) Das Abschlusskonzert

Ein Teil dieser Zielsetzungen konnte bereits während des »Pilot-Jahres« exemplarisch umgesetzt und präsentiert werden. Ein gemeinsames Konzert im September 2016 hatte rund 120 aktiv Mitwirkenden - Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren. Christliche und muslimische Teenager hatten ein eigenes Lied über ihre Vision von Religionsfrieden komponiert und getextet (»Sich wegen Religionen zu hassen, ist gegen jede Religion«). Kinder und Senioren sangen gemeinsam Seemannslieder, einen deutsch-türkischen Kanon oder den selbst getexteten »Mümmel-Rap«. Das Publikum war kulturell und religiös bunt gemischt - am Ende des Konzertes sang auch das gesamte Auditorium begeistert mit und ließ sich mehrfach zu Begeisterungsstürmen hinreißen.

Konzert Mümmelmannsberg

Konzert Mümmelmannsberg

2) Schlussfolgerungen und Zielsetzungen (2017)

Das Jahr 2017 nimmt eine Scharnierfunktion zwischen den ersten, experimentellen Versuchen und einer erhofften Verstetigung ein. 2016 konnte sich niemand im Stadtteil etwas unter der Phantasie-Berufsbezeichnung »Stadtteilkantor« vorstellen - mittlerweile kann an gemeinsame Erfahrungen und Erlebnisse angeknüpft werden. So kann gemeinsam über die Zukunft nachgedacht werden, können konkrete Ziele formuliert und konzeptionelle Lücken geschlossen werden. Die anfängliche Frage »Welche Musik braucht dieser Stadtteil?« wird nicht mehr nur vom Projektleiter im Dialog mit einigen wenigen Multiplikatoren vor Ort gestellt. Die Frage selbst ist zum Gegenstand kollektiver Phantasie geworden. So können gemeinsam die vor Projektbeginn formulierten Ziele, Inhalte und Arbeitsweisen überprüft, vervollständigt und konkretisiert werden: Der Stadtteil hat begonnen, sich »seinen« Kantor zu erfinden und zu wünschen.

Anders als 2016 müssen die Beiträge und musikalischen Interventionen nicht mehr offensiv angeboten werden, sondern werden zu einzelnen Veranstaltungen gezielt angefragt. Gleichzeitig werden vor Ort erste Schritte zu einer Institutionalisierung und Verstetigung der gemeinsamen Idee »interreligiöser Stadtteilkantor« unternommen. Auf Einladung des evangelischen Pastors Stephan Thieme hat sich im Stadtteil ein »Runder Tisch der Religionen« konstituiert, der regelmäßig die Vertreter/innen verschiedener religiöser Gemeinschaften, örtliche Schulleitungen und andere Multiplikatoren aus dem Stadtteil zusammenbringt. Ein Trägerverein für das geplante Stadtteilkantorat befindet sich in Gründung. In verschiedenen, schon länger bestehenden lokalen Netzwerken - der Stadtteilkonferenz, dem multinationalen Arbeitskreis oder dem örtlichen Begleitausschuss des Förderprogramms »Demokratie Leben« - ist die Idee »Stadtteilkantor« eine feste Größe geworden.

2.1) Kontinuität und Verlässlichkeit

Als wichtigste Zielsetzung zeichnet sich in allen Gesprächen und Begegnungen ab: Die Arbeit des Stadtteilkantors muss verlässlich und kontinuierlich sein, damit sie von den kooperierenden Institutionen in die jeweilige (z.B. Stundenplan-)Planung integriert und bei passenden Anlässen mitgedacht werde kann - aber auch, damit bei den Bewohner/innen des Stadtteils Vertrauen, Identifikation und Zugehörigkeitsgefühl entstehen können.
Diese Regelmäßigkeit ist sowohl bei »aufsuchenden« als auch bei »einladenden« Formaten wünschenswert - das heißt: es sollte regelmäßige Angebote in den jeweiligen Institutionen (z.B. Schule und Altenheim) geben, es sollte aber auch in einem regelmäßigen und einprägsamen Rhythmus zu einem offenen Mitmach-Format eingeladen werden.

2.2) Der stadtteil-internen Segregation entgegenwirken

Die wichtigste Aufgabe eines solchen kontinuierlichen Angebots - auch darin sind sich alle örtlichen Akteure einig - würde im Brückenschlag zwischen den Kulturen, Generationen und Religionen bestehen. An generations- oder anderen zielgruppenspezifischen Angeboten ist im Stadtteil kein Mangel, doch häufig bleiben diese Gruppen dann unter sich. Die Wahl von weiterführenden Schulen, die Zusammensetzung von Festen und Feiern sowie große Teile der informellen Stadtteilkultur definieren sich über Religionszugehörigkeiten und Herkunftsnationen. So nehmen beispielsweise die muslimischen Bewohner des Stadtteils, anstatt eine gemeinsame Gemeinde vor Ort zu bilden, teilweise lange Wege in Kauf, um die Moscheegemeinde ihres Herkunftslandes aufzusuchen.

Während sich diese Segregation in den »aufsuchenden« Angeboten des oder der Stadtteilkantor/in naturgemäß fortschreibt, weil diese Angebote nur innerhalb der gegebenen Grenzen stattfinden können, sollten alle »einladenden« Formate strikt interkulturell und generationsübergreifend gedacht werden. In einem generations- und kulturübergreifenden Offenen Singen (aus dem langfristig so etwas wie ein »Mümmel-Chor« werden könnte) wird gerade die Mischung der Generationen und Kulturen zum Anreiz und Aktivposten, weil sich die Akteure gegenseitig ihre Lieder beibringen, ihre Geschichten erzählen und ihre Kompetenzen miteinander teilen können.

2.3) Den ersten Schritt erleichtern - die Ausgangsfrage ernstnehmen

Viele Multiplikatoren langjähriger Kultur- und Sozialangebote beschreiben den ersten Schritt als den schwersten: Die Scheu vor Neuem oder die Erschöpfung und Lethargie eines schweren und niederdrückenden Arbeits- oder Arbeitslosenlebens zu überwinden, fällt vielen Anwohnern schwer.

Besonders mühsam ist die Motivation in der Offenen Jugendarbeit. Hier hat sich die Lage gerade im musikalischen Bereich in den letzten Jahren zugespitzt: Die »Generation Smartphone« identifiziert sich nicht mehr mit Konzerten und ähnlichen öffentlichen Events in der Realwelt und lässt sich deshalb durch eine herkömmliche, jahrzehntelang bewährte Band-Arbeit kaum noch erreichen. Auf der anderen Seite sind ganz neue Formen des Musizierens entstanden - so etwa, wenn Jugendliche autodidaktisch das keyboard-Spielen erlernen, indem sie mit Hilfe von youtube-Tutorials die Melodien ihrer Computerspiele nachspielen. Die Aufgabe des Stadtteilkantors - neue musikalische Formen für neue Situationen und Fragestellungen zu erfinden - könnte hier vor einer besonderen Herausforderung stehen. Ein erster Schritt könnte beispielsweise darin bestehen, musikalisch interessierte Jugendliche dazu einzuladen, »ihre« Computerspiel-Melodie testweise in unterschiedlichen Sounds auf der Kirchenorgel zu spielen.

3) Ausblick (2018/19)

Das nächste Etappenziel besteht nun darin, für die Dauer eines Jahres (von Spätsommer 2018 bis Spätsommer 2019) ein regelmäßiges und verlässliches Angebot zu installieren: Projektleiter Bernhard König soll einmal pro Monat für mehrere Tage (im Idealfall: Eine Woche lang) vor Ort sein. Für diesen Zeitraum soll sowohl ein Jahres- als auch ein Wochenplan mit planbaren Terminen erstellt werden.

Die folgende Skizze setzt voraus, dass sich bis Spätsommer 2018 der finanzielle Rahmen für insgesamt rund zehn einwöchige Aufenthalte des Projektleiters plus eines kleinen Budgets für Gastreferent/innen akquirieren lässt.

3.1) Der Jahresplan 2018/19

Der Jahresplan strukturiert sich durch Feiertage, stadtteilbezogene Termine und Anlässe, die besonderes Potential für das übergeordnete Ziel eines interkulturellen und intergenerationellen Brückenschlags bereithalten:

3.2) Der Wochenplan 2018/19

Mit den Schulen, Sozial- und Kultureinrichtungen des Stadtteils wird für die Präsenzphasen des Stadtteilkantors ein verlässlicher und langfristig planbarer Wochenplan mit festen Zeiten für Unterrichtsbesuche, Proben oder offene Singangebote innerhalb der jeweiligen Institutionen vereinbart. Die Zielsetzung, inhaltliche Ausrichtung und erwartbare Verbindlichkeit wird jeweils an den Erfahrungswerten innerhalb dieser Institutionen ausgerichtet. So wird es beispielsweise ein realistisches Ziel sein, mit einer schulischen Musik-AG auf einen öffentlichen Auftritt am Ende des Schuljahres hinzuarbeiten, während eine Präsenz des Stadtteilkantors in Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit zunächt völlig ergebnisoffen und sehr niedrigschwellig angelegt sein sollte.

3.3) Das Offene Singen 2018/2019

Eine zentralen Stellung innerhalb des Gesamtangebotes nimmt das generations- und kulturübergreifende Offene Singen im evangelischen Gemeindehaus als »einladendes« Format ein. Es sollte regelmäßig am ersten Sonntag im Monat stattfinden. Um den kooperativen Gedanken des Gesamtprojektes nicht zu gefährden, soll das Offene Singen nicht in Konkurrenz zu anderen Aktivitäten im Stadtteil treten. Wenn dieser Termin mit anderen wichtigen Stadtteilterminen oder Festen kollidiert, kann deshalb von dieser Regel abgewichen oder der Termin entsprechend umgewidmet werden.

Aufgrund der bisherigen Erfahrungswerte erscheint es als sinnvoll, das Offene Singen durch ein kulinarisches »Mitbring-Angebot« einzurahmen, zu dem die gastgebende Gemeinde Getränke und eine Basisverpflegung beisteuert. Auf diese Weise wird der Aspekt der gegenseitigen Gastfreundschaft gestärkt, ein Partizipationsangebot auch für »Nicht-Sänger/innen« gemacht und die Haushaltskasse von einkommensschwachen Mitwirkenden entlastet. Um auch Eltern eine Teilnahme zu ermöglichen, sollte in der Öffentlichkeitsarbeit zudem besonders der generationsübergreifende Charakter betont werden. Die Struktur muss offen genug sein, um jederzeit ein »Kommen und Gehen« zu erlauben. Jeder Termin steht für sich, es wird also zunächst nicht im Sinne eines Chores repertoire-aufbauend und langfristig stimmbildnerisch gearbeitet.

Ein denkbarer zeitliche Ablauf für das Offene Singen:
15.00h: Gemeinsames Kaffeetrinken
16.00h: Gemeinsames »Wohlfühlsingen« (einfache Lieder, Warming-up…)
17.00h: Thematisches Singen (z.B. zu einer bestimmten Musikkultur, die durch eine/n Gastreferent/in vertreten ist). Je nach Thema kann hier ein paralleles Kinderprogramm angeboten werden.
19.00h: Gemeinsames Abendessen.

3.4) Außenkontakte und Ausbildungsangebote

Das Projekt »Stadtteilkantor« soll nicht nur nach innen, in den Stadtteil hinein wirken. Sein Modellcharakter als »Zukunftsberuf« und seine vielfältigen Experimentierfelder können und sollten auch für die Aus- und Weiterbildung sowie für eine flankierende Forschung im Bereich Musikvermittlung, Musikpädagogik, Religionspädagogik oder Kirchenmusik fruchtbar gemacht werden.

Im Gesamtkontext der bundesweiten Aktivitäten von Trimum nimmt dieses Projekt deshalb eine besondere exemplarische Position ein. Neben den o.st. formulierten projektimmanenten Zielen besteht eine weitere Zielsetzung darin, das »Modell Mümmelmannsberg« in Kontakt mit Ausbildungs- und Forschungsstätten zu bringen und seinem Modellcharakter durch die interreligiöse Expertise des Referententeams von Trimum das nötige Wissensfundament zu geben.

Hierzu können und sollten sowohl die bereits bestehenden bundesweiten Kontakte genutzt als auch neue Kontakte im Großraum Hamburg geknüpft werden. Ein sich derzeit in Gründung befindliches, bundesweite »Bündnis Brennpunktschulen«, dessen Gründungsimpuls ebenfalls von Mümmelmannsberg ausgeht, könnte ein weiteres Forum zur Stärkung des Modellcharakters werden.

Mitwirkende und Förderer (Stand: November 2017)

Mitwirkende des Pilotkonzertes 2016
Bewohner/innen des AWO-Seniorenheims Haus Billetal
Frauenchor "Mümmeldeerns (Ltg.: Christiane Beetz)
Klassen 2b, 2e und 3a der Grundschule Mümmelmannsberg (Kerstin Lipke)
Klasse 3c der Grundschule Rahewinkel (Leila Pietryga)
Klasse 4a der Grundschule Rahewinkel (Mareike Hänsch)
Marcella Adler und Ayisa Cardak, Gesang

Gastmusiker Trimum-Ensemble
Serap Ermis, Gesang
Assaf Levitin, Gesang
Alon Wallach, Gitarre
Ermia, Gesang

Kooperationspartner 2016/17
Elternschule Mümmelmannsberg
Evangelische Studierendengemeinde Hamburg
Evangelisch-Lutherisches Gemeindezentrum Mümmelmannsberg
Grundschule Rahewinkel
Haus der Jugend Mümmelmannsberg
Integrative Grundschule Mümmelmannsberg
Liberale Jüdische Gemeinde Hamburg
Multinationaler Arbeitskreis Mümmelmannsberg
Seniorenheim AWO, Haus Billetal
Stadtteilkonferenz Mümmelmannsberg
Sultan Ahmet Camii-Moschee Billstedt
Zentrum für Mission und Ökumene der Evangelischen Kirche in Hamburg

Gesamtleitung
Stephan Thieme und Christiane Beetz, Projektleitung
Bernhard König, künstlerische Leitung

Förderer
Logo BKM-Preis
logo Demokratie Leben
Logo Stuttgarter Lehrhaus
Das Projekt »Interreligiöser Stadtteilkantor 2016« wurde gefördert von: Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) und der Stiftung Stuttgarter Lehrhaus sowie von Trimum aus Mitteln des BKM-Preises Kulturelle Bildung 2016.

Das Projekt »Interreligiöser Stadtteilkantor 2017« wurde gefördert von: Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) und von der Gustav-Prietsch-Stiftung Hamburg.