Trimum

Trimum 2012 - 2016

TRIMUM in Hamburg: Interreligiöser Stadtteilkantor

In einem kulturell »bunten« und heterogenen Stadtteil wie Hamburg-Mümmelmannsberg muss die Begegnung zwischen den Kulturen und Religionen nicht erst initiiert werden - sie findet ohnehin tagtäglich statt. In unserem Kooperationsprojekt zwischen Trimum und zahlreichen Institutionen und Akteuren aus Mümmelmannsberg soll untersucht werden, ob und wie sich der bewährte Ansatz von Trimum auf diese besondere Situation übertragen lässt.

Welche Rolle kann Musik in einem Stadtteil spielen, in dem Menschen aus über hundert Nationen auf engem Raum beieinander leben? Kann sie zu einer stimmigen Balance zwischen Gemeinschaftsgefühl und kultureller Eigenart beitragen? Kann sie wichtigen örtlichen Themen eine Stimme geben? Und wie kann sie insbesondere dort beschaffen sein, wo es um zentrale Lebensfeste und existentielle Themen geht - vom Schulanfang über die Hochzeit bis zur Beerdigung?

Pilotprojekt 2016

Unser erster Pilotversuch (Sommer und Herbst 2016) war überaus ermutigend. Über mehrere Wochen hinweg besuchten jüdische, christliche und muslimische Referent/innen des Projektes Trimum den Stadtteil, boten Workshops in mehreren Schulen, im Jugendzentrum und im Seniorenheim an.
Aus Chorsängerinnen der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde und Vertretern der benachbarten Moscheegemeinde formierte sich ein spontaner Projektchor, der mit Liedern und Rezitationen ein interreligiöses Friedensgebet gestaltete. Auch der Imam der Moscheegemeinde sang in diesem Chor mit.

Trimum vor Ort: Friedensgebet in Hamburg-Mümmelmannsberg

Grundschulkinder aus 10 verschiedenen Nationen gestalteten das musikalische Rahmenprogramm zu einem Sommerfest im örtlichen Seniorenheim und sangen zusammen mit den Bewohnern Hamburger Seemannslieder, stellten ihnen aber auch Lieder aus ihren unterschiedlichen Herkunftsländern vor.

Konzert Mümmelmannsberg

Invasion der Engel: Begegnung zweier Begegnungsprojekte

Ein doppeltes Zeichen des Miteinanders setzten Trimum und Mümmelmannsberg dann am 15. September 2016. Der »Engel der Kulturen« kam - und wurde von Juden, Christen und Muslimen mit interreligiösem Gesang begrüßt.

Konzert Mümmelmannsberg

Erstmals begegnen sich am 15. September 2016 am Rande Hamburgs zwei einzigartige Projekte. Beide wollen mit künstlerischen Mitteln den interreligiösen Dialog voranbringen, beide schöpfen Schönheit aus der Begegnung zwischen Juden, Christen und Muslimen. Und beide haben - jedes auf seine Art - für Aufsehen gesorgt.

Das internationale Kunstprojekt Engel der Kulturen vereint die drei Symbole der abrahamitischen Religionen, Kreuz, Davidstern und Halbmond, zu einem bleibenden Wahrzeichen für ein friedliches Zusammenleben aller Religionen. Am Vormittag des 15.9. wanderte die Skulptur durch den Stadtteil, wurde an verschiedenen Stationen von den Menschen begrüßt und anschließend als Bodenintarsie auf dem Platz vor dem Evangelischen Gemeindezentrum verlegt. Trimum hatte ein eigenes Lied zu diesem Ereignis beigesteuert: »Wir tragen einen Engel durch die Straßen, und jeder, den wir treffen, kann ein Engel sein…«.

Konzert Mümmelmannsberg

Im Anschluss an die Verlegung der Intarsie: Ein interreligiöses Konzert mit rund 120 aktiv Mitwirkenden - Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren. Christliche und muslimische Teenager hatten ein eigenes Lied über ihre Vision von Religionsfrieden komponiert und getextet (»Sich wegen Religionen zu hassen, ist gegen jede Religion«), die Kinder zweier Grundschulen hatten einen eigenen Song über ihren Stadtteil geschrieben. Das Pulbikum war kulturell und religiös bunt gemischt - am Ende des Konzertes sang auch das gesamte Auditoirum begeistert mit und ließ sich mehrfach zu Begeisterungsstürmen hinreißen.

Konzert Mümmelmannsberg

Konzert Mümmelmannsberg

»Interreligiöser Stadtteilkantor«: Die Geburt eines Zukunftsberufes?

Langfristig soll das Trimum-Konzert am 15.9. nur der Auftakt für ein künftiges, interreligiös-musikalisches Engagement in Mümmelmannsberg sein. Unser Traum: Wir wollen in Mümmelmannsberg die bundesweit erste feste Stelle für einen »interreligiösen Stadtteilkantor« schaffen. Ein völlig neues Berufsbild, das nachhaltig über die Grenzen der Religionen, Kulturen und Institutionen hinweg wirkt. Zu diesem Zweck entsteht derzeit vor Ort ein eigener Verein zur »Förderung der interreligiösen Kommunikation«, der eine Reihe örtlicher Gemeinden, Schulen und Sozialeinrichtungen vereint und sich das Ziel gesetzt hat, eine solche Stelle einzurichten.

Mehr zur Idee des »Interreligiösen Stadtteilkantors« auch auf www.schraege-musik.de

Mitwirkende und Förderer des Piloprojektes 2016

Mitwirkende
Bewohner/innen des AWO-Seniorenheims Haus Billetal
Frauenchor "Mümmeldeerns (Ltg.: Christiane Beetz)
Klassen 2b, 2e und 3a der Grundschule Mümmelmannsberg (Kerstin Lipke)
Klasse 3c der Grundschule Rahewinkel (Leila Pietryga)
Klasse 4a der Grundschule Rahewinkel (Mareike Hänsch)
Marcella Adler und Ayisa Cardak, Gesang

Gastmusiker Trimum-Ensemble
Serap Ermis, Gesang
Assaf Levitin, Gesang
Alon Wallach, Gitarre

Kooperationspartner
Elternschule Mümmelmannsberg
Evangelische Studierendengemeinde Hamburg
Evangelisch-Lutherisches Gemeindezentrum Mümmelmannsberg
Grundschule Rahewinkel
Haus der Jugend Mümmelmannsberg
Integrative Grundschule Mümmelmannsberg
Liberale Jüdische Gemeinde Hamburg
Seniorenheim AWO, Haus Billetal
Stadtteilkonferenz Mümmelmannsberg
Sultan Ahmet Camii-Moschee Billstedt
Zentrum für Mission und Ökumene der Evangelischen Kirche in Hamburg

Gesamtleitung
Stephan Thieme und Christiane Beetz, Projektleitung
Bernhard König, künstlerische Leitung

Förderer
Logo BKM-Preis
logo Demokratie Leben
Logo Stuttgarter Lehrhaus
Das Projekt »Interreligiöser Stadtteilkantor 2016« wurde gefördert von: Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) und der Stiftung Stuttgarter Lehrhaus sowie von Trimum aus Mitteln des BKM-Preises Kulturelle Bildung 2016.