Trimum

TRIMUM - Musik für Juden, Christen und Muslime

Stadtteilkantorat: Die Vorgeschichte.

Auf der Suche nach einer neuen Stadtteilkultur
2015 entstand im Umfeld der evangelischen Gemeinde Mümmelmannsberg die Idee einer neuen musikalischen Stadtteilkultur. Initialzündung war ein zufälliger Konzertbesuch: Auf dem Stuttgarter Kirchentag lernte Pastor Thieme, der örtliche Gemeindepfarrer, die interreligiös-musikalische Arbeit von Trimum kennen. Gemeinsam mit Vertretern der örtlichen Schulen und Religionsgemeinschaften entwickelte er die Idee eines „interkulturellen und interreligiösen Stadtteilkantorats“ und nahm Kontakt mit den Macher*innen von Trimum auf.

Diese besuchten 2016/17 mehrfach den Stadtteil und entwickelten in experimenteller Feldforschung erste Umsetzungsideen und Leitlinien für den neuen Zukunftsberuf „Stadtteilkantor“: Ein bundesweit einmaliges Modellprojekt. Die Ergebnisse waren überaus ermutigend. Ob in den örtlichen Grundschule oder im Seniorenheim, bei Stadtfesten oder beim internationalen Friedengebet: Die Bereitschaft zum gemeinsamen religions-, kultur-, und generationsübergreifenden Singen und die Freude an eigens komponierten und getexteten stadtteilbezogenen Songs waren von Anfang an stark ausgeprägt.

Konzert

Muemmeldeerns

Grund genug, die Arbeit fortzusetzen. Wann immer es die Finanzen uns erlauben, nimmt das Stadtteilkantorat wieder seine Arbeit auf und…

Menschen und Institutionen zusammenbringen

Immer wieder gelang es dabei, verschiedene Gruppen des Stadtteils zusammenzubringen, die sich zuvor noch nicht begegnet waren – beispielsweise beim interreligiösen Fastenbrechen im Ramadan oder beim interkulturellen Singen mit Geflüchtete und Senioren in einer örtlichen Sozialstation, die dort zwar schon seit Jahren in verschiedenen Stockwerken nebeneinander lebten, zwischen denen es aber bis dahin keine Berührungspunkte gegeben hatte.
Besonders wichtig ist es uns dabei, keine gänzlich neue Struktur zu etablieren, die mit den bereits vorhandenen Angeboten in Konkurrenz tritt, sondern uns in den existierenden Einrichtungen und Netzwerken nützlich zu machen. So brachte sich das Stadtteilkantorat in den letzten Jahren in Schulanfänger- und Schulabschlussveranstaltungen ein, übernahm die musikalische Gestaltung des “Tages der seelischen Gesundheit”, steuerte Songs und kleine Programmpunkte zu den örtlichen Jahresfesten bei.
Die Idee strahlte aus. Innerhalb des Stadtteils identifizierten sich immer mehr Menschen mit “unserem Stadtteilkantorat”. 2017 wurde vor Ort ein eigener „Stadtteilkantorat e.V.“ gegründet – und auch außerhalb von Mümmelmannsberg beginnt sich die neue Offenheit herumzusprechen. 2018 ist das Stadtteilkantorat mit dem höchstdotierten Preis Deutschlands für kulturelle Bildung, “The Power of the Arts” ausgezeichnet worden. Seit 2019 arbeiten wir mit dem Campus “Arts&Chance” der Medical School Hamburg zusammen. Ein Stadtteil, den man bis dahin eher gemieden hat, beginnt die Menschen anzuziehen: Exiliraner aus ganz Hamburg sind ebenso regelmäßig zu Gast wie die liberale jüdische Gemeinde, die begonnen hat, einige ihrer religiösen Feste in Mümmelmannsberg zu feiern und interreligiös zu öffnen. Die Kinder einer örtlichen Grundschule singen auf ihren Schulausflügen interreligiöse Lieder aus dem Trimum-Liederbuch, der Seniorenchor der evangelischen Gemeinde hat ein islamisches Lied in seinem festen Repertoire.

Konzert

Konzert